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Beispiel für eine Supervision

familie

Mediationsanaloge Supervisionsmethode

1. Codewort: "Ich will nicht mehr nach Italien"

Dem Anwaltmediator als Teilnehmer der Supervision (Supervisant) wird angeboten, zwei Fragen zu stellen: Einmal zum Fall und einmal zu seiner Person.

2. Frage zur Person

Was kann ich anbieten, damit die Mandantin in einen Klärungsprozess kommt?

3. Frage zum Fall

Braucht die Mandantin Unterstützung?

4. Falldarstellung

Der Mediator wird gebeten, den Fall darzustellen (5-10 Minuten):

Die Mandantin ist Mitte 50. Sie arbeitet Teilzeit. Die erwachsenen Kinder sind bereits aus dem Haus. Ihr Ehemann ist Ende 50. Die eheliche Beziehung leidet darunter, dass der Ehemann bereits seit Jahren nicht die eheliche Treue hält. Das Ehepaar unterhält in Italien eine Wohnung, die regelmäßig zu Ferienaufenthalten aufgesucht wird. Die Mandantin fühlt sich dort aber nicht wohl, sondern eher eingezwängt. Sie fährt nur ihrem Ehemann zu liebe dorthin. Es kommt seit Jahren immer wieder zu Zerwürfnissen, aber auch zu Versöhnungen. Die letzte "Episode" des Ehemannes hat die Mandantin veranlasst, zu einem Vorgespräch in die Besprechung zu kommen. Das Ziel war, sich zu informieren und ein Mediationsverfahren mit ihrem Mann durchzuführen. In dem Gespräch wird vereinbart, dem Ehemann anzubieten, gemeinsam mit der Mandantin an einem Mediationsverfahren teilzunehmen. Kurze Zeit später erhält der Anwalt einen Brief der Mandantin, sie habe sich erneut versöhnt und danke ihm für seine Tätigkeit.

5. Arbeit an den Hypothesen (20 Min)

Die Supervisionsgruppe erstellt nach der Falldarstellung Arbeitsannahmen (Hypothesen). Diese Arbeitsannahmen dienen dazu, die Ressourcen des Falles aufzudecken, damit eine weitere Arbeit ermöglicht wird.
Durch die Gruppe wurden unter anderen folgende Hypothesen erarbeitet:

  • Ambivalenz braucht Vertrauen
  • Sicherheit ist eine starke Ressource für das Paar
  • Dieser Fall ist für den Anwalt eine Schatztruhe
  • Die Kinder sind eine Ressource
  • Was wie ein Punkt aussieht ist ein Doppelpunkt
  • Diese erste Sitzung war schon eine große Hilfe für die Mandantin
  • Es gibt viel mehr Möglichkeiten als Trennung oder Zusammenbleiben
  • Wenn sich der Mediator seiner eigenen Ambivalenz bewusst wird, wird er Mann und Frau besser verstehen.
  • Es wäre für die Frau hilfreich, ihre Selbstbehauptung zu überdenken
  • Auch für den Mann wäre es hilfreich, seine Selbstbehauptung zu
    überdenken.
  • Die Frau ist stärker als sie selber denkt
  • Für die Frau ist es hilfreich, verschiedene Möglichkeiten zu sehen
  • Eine Psychotherapie könnte die Frau weiter bringen
  • Die vermeintliche Schwäche der Frau ist eine Stärke

6. Auswahl der Hypothesen (5 Min)

Der Supervisant wird gebeten, aus diesen Hypothesen drei auszuwählen, die ihn persönlich besonders ansprechen. Diese Hypothesen sind fett markiert.

7. Optionen (20 Min)

Nachdem der Supervisant drei Hypothesen ausgewählt hat, werden durch die Gruppe Optionen/Handlungsvorschläge unterbreitet. Diese müssen sich dabei nicht zwangsläufig auf die ausgewählten Hypothesen beziehen. Unter anderem wurde erarbeitet:

  • Es ist nicht selbstverständlich, dass die Mediantin absagt und sich bedankt. Ich würde es als Mediator als Dank und Anerkennung annehmen.
  • Ich würde der Frau sagen, sie habe es geschafft, ihre Beziehung lebendig zu erhalten.
  • Ich würde die Mediantin anschreiben und ihr mitteilen, dass ich den Fall abgebe.
  • Ich würde beiden einen Brief schreiben, dass der Platz noch bis zu zwei Wochen freigehalten wird und danach durch eine andere Mediation besetzt wird.
  • Ich würde die Mediantin anschreiben und ihr zu der neuen Situation gratulieren.
  • Ich würde der Mediantin und dem Ehemann einen Brief schreiben und ihnen mitteilen, dass sie sich gerne wieder melden können, wenn sie einen Klärungsbedarf in der neuen Situation sehen.
  • Ich würde die Frau fragen, was sie machen würde, wenn sich die Situation erneut wiederholt.
  • Ich würde die Frau einladen, mit ihrem Mann zu einem Gespräch zu kommen.
  • Ich würde die Kinder einbeziehen, ggf. durch zirkuläre Fragen, ggf. persönlich

8. Auswahl und Vereinbarung (10 Min)

Nach der Optionenarbeit durch die Gruppe wählt der Supervisant aus, was ihm am meisten zugesagt hat. Anschließend wird er gebeten mitzuteilen, ob sich seine Ausgangsfrage beantwortet oder verändert hat.

Er wird anschließend gefragt, ob er eine Vorstellung davon hat, was sein nächster Schritt sein wird und ob er zur Unterstützung hier etwas vereinbaren möchte.

Im geschilderten Fall hat sich der Supervisant dazu entschlossen, entsprechend der Option 6 die Mediantin anzuschreiben. In der nächsten Supervision will er davon berichten, ob und wie sich der Fall weiterentwickelt hat.

Damit ist dieser Fall abgeschlossen.